Experiment – Live von Tagung informieren

Als ich die Einladung zur Fachtagung Gemeinsam durchs Netz nach Berlin bekam, war mein erster Gedanke: Nicht schon wieder so eine gut organisierte und straff organisierte Veranstaltung mit 1000 PowerPoint-Präsentationen. Die Tagung in der europäischen Get online week hatte auch das Ziel, Wege zur Aktivierung von Menschen aufzuzeigen, die dem Netz bisher ablehnend gegenüber stehen. Der zweite Gedanke war dann schon konstruktiver: Wenn schon kein Barcamp, dann berichtest du eben live und twitters deine Eindrücke!

Internet wo bist du?

Mit dem mobilen Internet ist es so eine Sache. Diese, den professionellen Reisenden hinlänglich bekannte Erscheinung, durfte ich einmal wieder im Zug erleben. WLAN auch in meinem ICE-Wagen? Fehlanzeige. Breitband im 3G-Standard über das mobile Netz? Leider nur in den Bahnhöfen. Meine geplanten Berichte über Twitter zur Vorbereitung auf die Tagung mussten daher ins Wasser fallen.

Zum Glück fanden wir uns dann am Tagungsort relativ schnell wieder – das Internet und ich. Ausweis vorzeigen, WLAN suchen, Website aufrufen, komplizierten Nutzernamen und ebensolches Passwort in den Nexus 7 eintippen, und dann konnte es losgehen. Nur noch schnell die gleiche Prozedur auf dem iPhone – sorry, beim dritten Mal hatte ich begriffe, dass dieser Zugang nur für ein Gerät gültig ist.

Dass so etwas auch anders geht, habe ich vor ein paar Tagen in Södertälje, Schweden, erlebt. Beim Warten in der öffentlichen Bibliothek habe ich dort einfach einmal versucht über eines der angezeigten WLANs ins Internet zu kommen. Ja, das klappte ohne Ausweis, ohne komplizierten Namen und ein kompliziertes Passwort gab es auch nicht. Komisch, komisch, deutsche Gründlichkeit?

Einfach nur Zuhören und twittern?

Die Grußworte sind dann meinen WLAN-Versuchen zum Opfer gefallen, doch die Podiumsdiskussion (siehe obiges Foto) war dafür schon interessant. Dort auf dem Podium konnte ich nur Profis entdecken, die sicher – egal wie die Einstiegsfrage lautet – sofort zur Sache kommen würden. So war die erste Runde meiner Tweeds zum von mir gewählten Hashtag #gow13 fast ein Selbstrenner. Zuhören, das Statement in einem Satz formulieren? Etwas schweißtreibend, da ungewohnt, aber gutes Gehirnjogging!

Bedauerlich nur, dass wohl außer mir kaum jemand aus dem Kreis der Teilnehmer über diese Tagung direkt berichtet hat. Gefreut habe ich mich über die Retweets und die Kommentare zu meinen Experiment, z.B. von @fctberlin, @hamster44 und @anntheres. So konnte ich doch jedenfalls einigen ein paar Eindrücke vermitteln.

Idee für die Zukunft

Leider ist auch vielen Veranstaltern, die über die sinnvolle Nutzung von Computer und Internet informieren wollen, das Internet der 2. Generation – Web 2.0 – wenig vertraut. So sollte wohl jeder bei der Einladung zu solchen Veranstaltungen auch seine Kenndaten aus dem sozialen Netz, z.B. Twitter- oder Facebooknamen, angeben und den Veranstalter auffordern, ein gemeinsames Kennwort vorzugeben und zu publizieren. Mein #gow13 war doch recht spontan und unbekannt.

Ich werde dieses Experiment in der Zukunft wiederholen und künftig dem Veranstalter über meine Absicht informieren, dass ich als @hosi1709 mit dem Hashtag #abc2013 über die Tagung abc berichten werde. Bitte nachmachen!

 

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11 Gedanken zu „Experiment – Live von Tagung informieren

  1. guck

    Ist doch gar nicht so einfach. Ich bin leider nicht sehr mobil und habe kaum persönliche Erfahrungen,, lese aber einiges bei Twitter über Bahn und Netz und Powerpoint-Veranstaltungen. In der E-Learning-Szene sind die hashtags und das Twittern von Veranstaltungen angekommen. Ich kann mich aber auch noch gut an die Empörung erinnern, wenn Teilnehmer einfach „während“ twittern. Ich sehe oft, dass die Veranstalter bereits den hashtag anbieten, das spart natürlich Zeit und jeder weiß Bescheid. Bei einer GetOnlineWeek hätte ich das erwartet, vielleicht beim nächsten Mal. Danke für Deinen Post hier und für die Berichterstattung via Twitter.
    Ursel

    Antwort
  2. guck

    Mir ist gerade eingefallen, dass für Unkundige ein paar Deiner Tweets Deinen Beitrag hier oben anschaulicher machen könnten. Ich fand das Nennen des Speakers zu Beginn des Tweets schon mal sehr gut, und dann das Thema. Ich kann mich noch von einer BAGSO-Veranstaltung her an „Keck“ und „Meister“ erinnern. Mir ist auch eingefallen, dass ich 2010 educamp Hamburg zum ersten Mal Twittereinsatz gesehen und mitgemacht habe und fast in Ohnmacht gefallen bin, als meine Tweets aus Frankfurt auf einer Twitterwall in Hamburg erschienen sind. Damals konnte man ziemlich kräftig teilnehmen, das ist bei barcamps etwas weniger geworden.

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  4. Helga Schwab

    Zu „Internet, wo bist du?“ Ich finde es auch sehr mühsam, wenn ich mit meinem Tablet unterwegs bin, nicht ins Internet zu kommen, ohne die entsprechenden Daten einzutippen. Doch bei einem Info-Abend der Verbraucherzentrale RhPf wurde auf die Gefahren des offenen W-Lan hingewiesen. Oder war man in der Bibliothek durch die W-Lan-Angabe geschützt?

    Antwort
    1. Horst Sievert Autor

      Ich kann nur vermuten, dass wir in Deutschland es mit den Gefahren des Internets etwas übertreiben. Diese sind sicher nicht zu verniedlichen, aber m.E. sind die Gefahren des Kfz-Verkehrs größer. Doch auf diese wird nicht auf jeder Tagung zum Thema Auto hingeweisen. Auf dieser Tagung, die ja den Zögernden helfen sollte, wurde ich mehrfach auf Gefahren des Internets aufmerksam gemacht. Irgendwie nicht passend!

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  5. Pingback: Get online week – Beobachtungen am Rande | online

  6. Eckhard Volquartz

    Zu der Sicherheitsfrage ist vielleicht auch zu bemerken, dass die, die in Berlin anwesend waren ja eigentlich weder überzeugt werden müssen das Internet zu nutzen, noch zu den Zögernden gehören. Ich hätte mir gewünscht mehr zu hören, wie wir die Zögernden erreichen. Gebetsmühlenartig hört man auf solchen Tagungen „abholen da wo die Menschen sind“!
    Ja wo sind sie denn? die, die zu uns den Weg alleine finden, gehören sicherlich nicht zu den über 30% Zögernden. Vielleicht sollten wir da mal einen Studenten motivieren den Zahlen von Bitkom und anderen mal auf den Grund zu gehen und zu schauen wie diese Menschen wirklich erreichbar sind.
    Lieber Horst Sievert, vielen Dank für den ersten Versuch zu solchen Tagungen etwas mehr „Öffentlichkeit“ durch diese Form im Netz herzustellen.

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    1. Horst Sievert Autor

      Sicher müssen die dort Anwesenden nicht überzeugt werden. In zwei Gesprächen habe ich allerdings auch positive Ansätze beobachtet. So sprach ich z.B. mit einer Teilnehmerin, die ganz konkrete Vorstellungen davon hat, wie sie die älteren Menschen, die oft allein von wenig Geld leben und außer dem Fernseher keine Kontakte wünschen, durch stetes Versuchen ansprechen möchte. Oft darf man wohl nicht mit „kaufe dir doch …“ kommen, sondern muss über persönliche Kontakte Vertrauen aufbauen, um dann später auf sinnvolle Nutzung und Finanzierung von Tablet oder TV und Internet zu kommen.

      Antwort

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