Get online week – Beobachtungen am Rande

„Die Hälfte der Menschen in Europa nutzt täglich das Internet, aber rund 30 Prozent nutzen es bisher noch nicht. Besonders ältere Menschen, Menschen mit geringer Bildung und Menschen mit Behinderungen sind oft nicht im Netz.“ Dieser Satz in der Einladung war für mich der Auslöser für die Teilnahme an der Fachtagung „Gemeinsam durchs Netz“ – Berichte von mir hier und hier. Natürlich sind mir dann auch ein paar Dinge am Rande dieser sehr gut organisierten Tagung aufgefallen.

Bedienungsanleitungen

„Jetzt habe ich mir dieses tolle Smartphone gekauft und finde keine Bedienungsanleitung dazu.“ Dieser Hilferuf eines Teilnehmers in der Diskussion veranlasst mich zu diesen Zeilen. Ich kann mich nämlich noch gut daran erinnern, wie es mir erging, als ich vor etwa 10 bis 15 Jahren einen ähnlichen Hilferuf an meine Söhne gesandt habe, weil ich meinen neuen Videorecorder nicht zum Laufen bekam. „800 DM und nicht einmal eine vernünftige Bedienungsanleitung!“

Für mich begann spätestens damals ein Lernprozess und ich bin meinen Kindern dankbar, dass sie mir vorgemacht haben, wie sich dieses Problem lösen lässt: Der Erste ging mit etwas Überlegung an die Sache und startete die Methode „Versuch und Irrtum“. Der Zweite beobachtete diese Versuche, eilte ans Telefon und nutze sein „Netzwerk“, was dazu führte, dass er konstruktiv kommentieren konnte. Nach 10 Minuten konnten wir die Sendung aufzeichnen!

Die technischen Geräte in meinem Haushalt haben sich seitdem oft geändert und ich „google“ mir inzwischen meine Bedienungsanleitungen, wenn ich sie denn überhaupt benötige. Ich akzeptiere nämlich, dass ich auch im Alter noch nicht alles kann und weiß und habe gelernt – neben googeln auch netzwerken und Strukturen statt Details merken!

Tipp: Google nutzen, persönliches Netzwerk aufbauen, umlernen und Strukturen merken!

Netzsicherheit

Schon mal einem etwas unsicheren Neuführerscheinbesitzer ein Auto verkauft? Die meisten von uns haben das sicher nicht, würden sich aber wohl wundern, wenn dieser ihnen sagt, dass der Auto-Verkäufer ihn intensiv über die Gefahren des Autofahrens informiert habe und ihm die vielen kleinen DIN A4-Infos zur „Sicherheit im Straßenverkehr“ empfohlen hat.

Genau das war auf der Fachtagung zu beobachten. In der Podiumsdiskussion wurden wir auf die Gefahr von einfachen Passwörtern hingewiesen und im Workshop 2 war der Hinweis auf kleine Tipps zur Sicherheit ein Bestandteil des „Digitalen Lernens“. Leider haben auch die Podiumspartner, die sich für eine nutzerfreundliche und unsichtbare Technik stark machten, nichts über Erfahrungen mit Sicherheitstechniken, wie z.B. Fingeranprint und Gesichts- oder Spracherkennung, gesagt.

Tipp: Bei Sicherheitsbedenken an den Kraftfahrzeugsverkehr denken!

Vergessen

„Leider wird die Technik immer komplizierter und die Senioren sind nicht in der Lage damit klar zu kommen. Dinge, die ich ihnen heute erkläre, haben sie in einer Woche wieder vergessen!“ Beim Hören dieser, von einem wohl erfahrenen ältern Herren vorgetragenen, Botschaft musste ich mich dann doch etwas beherrschen. Mir scheint, dass das weniger ein Problem des Alters ist. Jedenfalls habe ich ähnliche Aussagen sehr oft auch von LehrerInnen meiner Kinder gehört.

Dabei vermute ich mindesten zwei Dinge: Der Trainer/Lehrer verkennt leicht den Wert von Wiederholungen. Gerade er hat seine Themen sicher mehrfach vorgetragen, d.h. wiederholt, und ist damit jetzt inhaltssicher. Andererseits lassen wir Älteren uns zu leicht in diese Vergessens-Ecke drängen oder berufen uns gar darauf.

Tipp: Lernen im Alter wird allenfalls langsamer und gegen das Vergessen hilft üben, üben, üben – auch bei Jüngeren!

 

Advertisements

10 Gedanken zu „Get online week – Beobachtungen am Rande

  1. anntheres

    Lieber Horst!

    Ich habe mit Interesse Deine Berichte gelesen. Es ist nun mal so, dass das Lernverhalten von älteren Menschen sehr unterschiedlich ist. Manche sind sehr interessiert und lernbegierig und bekommen Spaß am Weiterlernen. Das freut uns dann sehr.
    Andere wieder – vor allem Menschen die sehr viel älter sind, brauchen sehr lange, um sicher zu werden. Sie meinen das aber oft nicht und wenn ich dann höre… ich hatte gar keine Zeit zum Üben, dann sehe ich die Prioritäten… Das ist dann sehr schade und zum Online-Lernen bekommt man solche Menschen schon gar nicht. Wir werden es in Zukunft auch ausprobieren, Schulungen per Skype zu organisieren – allerdings denke ich, dass das nur bei den Tutoren klappt, die schon ein gewisses Vorwissen mitbringen und sich trauen. Bei den älteren Teilnehmern sind einige, die schon mit Skype arbeiten – da könnte man es auch versuchen, zumindest wenn sie in Nöten sind, werden sie mich anrufen und fragen. Die Skype-Bildschirmübertragung ist inzwischen so gut, dass es nachvollziehbar ist, als säße man vorm eigenen Bildschirm. Wie es mit den Smartphones dann funktioniert, wird man in der SMobil-Gruppe sehen. Bei technischen Problemen werden die Uni-Mitarbeiter allerdings Teamviewer verwenden.
    Hier erste Berichte zum Projekt:
    http://anntheres.wordpress.com/2013/03/19/erste-einfhrung-in-die-technik-bei-sehr-mobil/
    http://www.sehr-mobil.de/index.php/medien/menunutzerkickoff

    Antwort
    1. Horst Sievert Autor

      Nur damit wir uns richtig verstehen: Meine hier geschriebenen Beobachtung habe ich nicht an ‘lernungeübten Älteren’ gemacht. Mir scheint, dass es sich stets um Menschen gehandelt hat, die von sich behaupten die richtige Einstellung zum Lernen zu haben.

      Warum üben die von dir angesprochenen Älteren denn nicht? Kann es nicht auch sein, dass ihr ihnen zu viel spezielle Details in Form von Rezepten präsentiert und ihnen nicht vermittelt, dass es mehr um Strukturen geht?

      Warum bekommt man diese Älteren denn nicht zum Online-Lernen? Warum klappt das nur bei den Tutoren? Kann es nicht sein, dass viele/einige von euch auch ganz froh sind, dass die Räume voll sind. Ich hätte auch noch über eine derartige Beobachtung berichten können. Coaching/Hilfe sollte möglichst ‘Hilfe zur Selbsthilfe’ sein. Sind eure Angebote wirklich immer so angelegt?

      Antwort
  2. anntheres

    Lieber Horst! Jetzt wollte ich hier grade online antworten. Aber ich werde es nicht tun.
    Das würde dann nur zu Mißverständnissen führen… Egal… nur eins: Natürlich bekommen die Menschen „Hilfe zur Selbsthilfe“ sogar eine Schritt-für-Schritt Begleitung, bis die Technik beherrscht wird. Erst dann könnte man die Interessierten zu einem Online-Lernen bewegen.
    Du vergißt, dass Du es immer mit Menschen zu tun hast, die schon mit Vorkenntnissen an Euch herangetreten sind, ganz selten waren es wirkliche Anfänger..
    Nun, wir werden sehen, wie es sich weiter entwickelt…
    Anntheres

    Antwort
    1. Horst Sievert Autor

      Gerne sollten wir dieses Thema einmal per Skype diskutieren. ich würde mich allerdings freuen, wenn ihr vorher einmal darüber nachdenkt, ob Schritt-für-Schritt-Anleitungen wirklich zum selbstständigen Lernen führen. Ich bin pädagogischer Autodidakt und habe es als auch nicht nur mit dem Kreis von SLO – aus dem wir uns ja kennen – zu tun. Gerade dieses detaillierte Führen der Teilnehmer ist aus heutiger Sicht ein unglückliches Vorgehen, denn es macht abhängig.

      Du siehst, ich stelle mein Handeln, das ich noch vor einigen Jahren als richtig betrachtet habe, zunehmend in Frage. Tut das doch bitte auch einmal und beobachtet die Entwicklung im Bereich der Bildung.

      Antwort
  3. slomobil

    Zwei Grundsatzfrage: Welche Kurse brauchen Senioren zum Internetzugang und wie sollten die Kurse durchgeführt werden.
    zu 1) man spricht von Internetzugang und unterrichtet Word, Tabellenkalkulation und Photobearbeitung, da ja der Lehrer das sehr gut kann. Die Senioren brauchen ja nun wirklich alle Word und Tabellenkalkulation……
    Man unterrichtet weniger Gebrauch von mobilen Endgeräten oder die Möglichkeiten des Web 2.0 in Kommunikation und Kooperation.Man ist in der Wolke noch nicht angekommen.Man arbeitet nicht gemeinsam an Lösungen

    zu 2) Man unterrichtet frontal im Taktverfahren step by step, man schreibt Handlungsanweisungen immer neu, statt suchen zu lassen, wo es bereits Informationen gibt, z.B. Youtube Filme (z.B. zu twitter, facebook…..), die eine Wiederholung ermöglichen.
    Einen Standardkurs für den Senioren kann es nicht geben, da die Senioren sehr unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen haben und die Senioren- Lehrer in sehr vielen Fällen Autodidakten sind.

    Antwort
    1. slomobil, u.Krope

      Achtung, das wird eine ping pong Diskussion, es ging nicht um unsere Kursteilnehmer bei SLo . Bitte zurück zum Ausgangspunkt,es ging um die Frage, wie mehr Senioren ins Internet kommen und was so die Argumente der Teilnehmer der dortigen Runde waren.

      Antwort
  4. Pingback: Twitter – 5 Jahre bin ich dabei! | online

  5. Pingback: Internet – Die Angst der Senioren | online

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s