Kommunikation hilft Einsteigern, aber …

Beobachtungen bei Nutzern

Treffen des internationalen Projektes mobile50+-, Einsatz mobiler Geräte bei Senioren, Immigranten, Menschen mit Behinderungen, Studenten, kurz vor dem mittäglichen Besuch des Italieners und der Riesenpizza, die Stimmung ist etwas abgeflaut. Mir kommt die Idee, kurz Google Hangout zu zeigen, denn mit der Alternative Skype sind alle vertraut. Ich kann es kurz machen: Innerhalb weniger Minuten waren alle TeilnehmerInnen des Treffens eifrig am 'hangouten', selbst die, die bisher noch keinen Google-Account hatten.

Super! Die App Google Hangout war verkauft und jeder hatte schnell die Vorteile – kostenlose Videokonferenz mit 10 Personen – gegenüber Skype – nur kostenloses Video mit 5 Personen – entdeckt. Über den Nachteil, dass man nicht während des Gespräches auf andere Apps zugreifen kann, musste ich dann informieren. Der Nutzung dieser App steht also nichts im Weg, aber …

Szenenwechsel. Fachtagung Gemeinsam durchs Netz, Workshop 2, Mobile Endgeräte in den Händen von Seniorinnen und Senioren, eine Betreuerin und ein Ehrenamtler berichten über den Test von Tablets mit Bewohnern einer betreuten Einrichtung: Nachdem die ersten Ängste genommen waren, konnten bereits beim zweiten Treffen alle selbstständig einige Apps nutzen. Besonders Skype hat alle begeistert.

Toll! Auch Ältere, die bisher keinen Umgang mit Computer und Internet hatten, sind sehr schnell in die Nutzung der App Skype eingewiesen und haben dann viel Spaß damit, aber …

Ideen zur Nutzung

Die Nutzung von Hangout und Skype bietet viele Chancen. Hier nur einige Vorschläge: Der soziale Kontakt kann auch bei allein lebenden Menschen besser aufrecht erhalten werden. Videotelefonate mit der Familie sind leicht herzustellen, Teilnahme und Kontakt zu Gruppen lassen sich aufrecht erhalten mit virtuellen Kursen an VHS oder Lerncafe und Angebote zu Hilfen im Alltag ließen sich organisieren.

Nutzt man jetzt nicht den Computer, sondern Tablets, die auch für bisherige digitale Außenseiter einfacher zu handhaben sind, so wären entsprechende Angebot sehr schnell zu organisieren, aber …

Beobachtungen bei Anbietern

Fachtagung Gemeinsam durchs Netz, Gespräch beim Imbiss, Smartphone und Tablet machen auch Einsteigern viel Freude, man muss allerdings in Einzelgesprächen Hilfe anbieten. Fragen: Wie oft ist diese Hilfe erforderlich? Lassen sich nach einigen persönlichen Treffen nicht auch virtuelle Treffen per Skype oder Hangout organisieren?

Die Antwort auf meine Fragen war Schweigen bzw. die Diskussion wurde merklich zögernder. Man konnte die Bedenken spüren, denn das ist alles toll, aber …

Szenenwechsel. Kommentar zu einem Bericht über obige Fachtagung, sinngemäß zitiert: Schulungen per Skype sind wohl nur für erfahrene Tutoren möglich und nur wenige Ältere werden wohl Skype für Fragen nutzen – wenn wir es denn mal anbieten. Man findet das alles gut, aber …

Vermutungen

Diese Bedenken haben natürlich unterschiedliche Gründe. Ich kann hier nur vermuten: Über die Nutzung dieser Apps zur Video-Kommunikation wurde noch nicht nachgedacht oder sie zerstört ein Geschäftsmodell, dass auf persönlichem Coaching und damit höheren Einnahmen aufbaut.

Oder: Die Tutoren organisieren mit viel Freude seit vielen Jahren ein Vor-Ort-Angebot und scheuen die Arbeit für ein virtuelles Angebot, das dann eventuell noch schlecht angenommen wird. Schließlich müssen ja auch die Nutzer umlernen!

Oder: Oft haben volle Räume erste Priorität, denn schließlich hat man diese ja angemietet und muss die laufenden Kosten tragen!

Ich finde das alles sehr bedauerlich, denn es wird die Chance vergeben, moderne und flexible Technik zu nutzen, um Menschen zu einem selbstverantworteten Lernen und Handeln zu bewegen!

 

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3 Gedanken zu „Kommunikation hilft Einsteigern, aber …

  1. Eckhard Volquartz

    Lieber Horst Sievert, der Absatz Vermutungen kann sicherlich unter „Vermutungen“ stehen bleiben, denn wir hier in Koblenz arbeiten schon seit 10 Jahren ehrenamtlich und müssen keine vollen Räume produzieren um für den kostenlos zur Verfügung gestellten Raum Gelder zu akquirieren. Wir benutzen auch schon sehr lange die im Beitrag aufgeführten technischen Hilfsmittel. Aber eben nur partiell, da wo es möglich und sinnvoll ist. Die über 150 Besucher, denen wir in dieser Stadt helfen und die immer mehr werden, sprechen sicherlich eine andere und vielleicht nicht vermutete Sprache! Ein Teil unser Senioren, die Hilfe erbittet ist bereits über 80 Jahre jung und da schließen sich virtuelle Angebote aus unserer Sicht schon deshalb aus, weil diese teilweise technisch noch sehr weit verbesserungsbedürftig sind (Bedienung, Zusammenbrüche der Leitungen etc ) Zusammenfassung: Für machen PC-Senioreneinsteiger mag es virtuell klappen aber im Moment liegt die Hauptunterstützung bei uns immer noch bei „Angesicht zu Angesicht“

    Antwort
    1. Horst Sievert Autor

      Danke dir, Eckhard Volquartz, für die Schilderung eurer konstruktiven Arbeit, die sicher für die ‚ersten Schritte mit Computer und Internet‘ sehr hilfreich ist. Wenn ich mich auf eurer Website http://www.mausmobil-koblenz.de/ umsehe, fallen mir allerdings zwei Dinge auf:

      1) Ihr setzt wohl überwiegend Desktop-PC ein. Oder sind die beweglicher und individueller einzusetzenden Tablets, z.B. iPads oder Galaxys, nur nicht sichtbar? Nach meinen Beobachtungen, kommen mit diesen Geräten auch Ältere sehr gut klar. Und warum gibt es Leitungsprobleme, wenn man diese Geräte über das WLAN anschließt? Jedenfalls ist die Nutzung von Skype und Hangout damit auch für über 80jährige kein Problem.

      2) Ihr setzt offenbar noch sehr auf die Hilfe durch eure Tutoren bzw. junge Auszubildende. Oder sind z.B. die Aktivitäten, in denen eure 150 Teilnehmer im Team arbeiten, nur nicht dargestellt? Teilnehmer, die gemeinsam an Texten arbeiten und z.B. ein eBook erstellen, freuen sich, wenn sie sich per Skype und Hangout austauschen können.

      Es würde mich freuen, wenn du bei Gelegenheit einmal über eure weitergehende Aktivitäten berichten würdest.

      Antwort

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