Internet, Meinungen, Umlernen

Was sagt man so?

Ein Freund (fast 70): Ich bin ein Familienmensch und habe überschaubare Kontakte mit anderen Menschen. Die meisten kann ich nicht über das Internet erreichen, warum sollte ich es also nutzen?

Ein Bekannter (über 80): Seit Jahrzehnten nutze ich den Computer und seit vielen Jahren das Internet. Ich habe ein Handy, das ich nur einschalte, wenn ich das Haus verlasse. Zum Fotografieren nutze ich meine Digicam. Warum sollte ich mir ein Smartphone oder ein Tablet kaufen?

Zwei Lehrer (über 70): Wir sind so beschäftigt, dass wir überhaupt keine Zeit fürs Internet haben. Außerdem bedauern wir den Kulturverlust: Bald kann niemand mehr ein Buch lesen und einen persönlichen Brief schreiben!

Eine Lehrerin (kaum 40) : Wir haben nur heute den von einem Kollegen eingerichteten Computerraum, damit alle Schüler ihre PowerPoint-Präsentation zeigen können. Wenn eine Schülerin erst morgen präsentieren will oder kann, muss sie die Technik selbst beherrschen, denn ich kann das nicht!

Was passiert hier?

Diese Äußerungen stammen aus den vergangenen Monaten. Wenn ich etwas weiter zurückblicken würde, ließe sich die Aufzählung leicht erweitern. Doch warum argumentieren Menschen aus diesem eingeschränkten Blickwinkel? Ist es gut, dass der Familienmensch keine weiteren Kontakte hat? Warum hört das Interesse für Neuerungen bei dem erfahrenen Computernutzer plötzlich auf? Warum sind die ehemaligen Lehrer in ihrer Entwicklung mit der Pensionierung stehen geblieben? Wie will die junge Lehrerin die noch vor ihr liegenden Berufsjahre erfolgreich durchstehen?

Der hier angesprochene Problemkreis wird seit Jahren – nicht nur von mir – beobachtet. Die Initiative D21 stellt fest, dass immer noch 23,5%, also 16,5 Millionen, Menschen in Deutschland überzeugte Offliner sind. Ich habe hier kurz berichtet, aber als Erklärung nur die persönliche Sozialisation der Betroffenen gefunden. Unser Denken, Fühlen und Verhalten hängt wohl überwiegend davon ab, wie und wo wir unser bisheriges Leben verbracht haben.

Danach könnten also die ehemaligen Lehrer – um beim Beispiel zu bleiben – auch schon in ihrer aktiven Zeit wenig Interesse an Veränderungen gehabt haben. Erklären sich damit aber auch die Brüche bei Menschen, die plötzlich einen Schritt nicht mehr mitgehen wollen?

Was kann ich empfehlen?

Wir sind wohl zu sehr Individualisten, als das es DIE Lösung oder DEN Ratschlag geben kann. Ich kann nur dazu raten, so neugierig wie meine Enkel zu bleiben oder zu werden und einen Blick in das Weblog (n)onliner zu werfen. Dort habe ich im vergangen Jahr meine Ideen zur Nutzung der kleinen und mobilen Smartphones bzw. Tablets auch für bisherige digitale Außenseiter notiert.

Damit diese neuen Dinge Spaß machen, sollte man nicht versuchen, dort die bisherige 'persönliche Welt' abzubilden. Es geht nicht um eine leichte Anpassung an eine sich ändernde Welt, sondern um ein radikales Umlernen:

  • Wer bisher wenige reale Kontakte hat, sollte es mit vielen virtuellen Kontakten versuchen! In dem obigen Foto sieht man, dass ich 106 – mir meistens persönlich unbekannten – Menschen folge, d.h. deren Beiträge lese und darüber nachdenke bzw. dort angesprochene Dinge ausprobiere. Ich versuche dort Menschen zu folgen, die mich interessierende Themen ansprechen. Es dauert etwas bis man diesen Kreis gefunden hat.
  • Wer bisher überwiegend konsumiert hat, sollte es einmal mit eigenen Aktivitäten versuchen, z.B. Blogbeiträge kommentieren, eigene Fotos oder interessante Websites mit anderen teilen. Das obige Bild zeigt, dass meine Beiträge dort bei Twitter für 248 Menschen interessant sind. Vielleicht ja auch dieser Beitrag ;=).

Übrigens: Warum nicht gleich hier mit einem Kommentar beginnen?!

 

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