ununi.tv – Neues Lernen in Mitmachuni

Abschied ist ein scharfes Schwert, sang einst Roger Whittaker. Immer, wenn ich über Bildung, Lehren, Lernen, Schule, Universität usw. nachdenke, geht mir dieses Lied durch den Kopf. Es ist leicht 'Abschied' durch eines dieser Bildungswörter zu ersetzen, um eine zutreffende Aussage zu erhalten. Faszinierend an diesen Aussagen ist, dass es immer die anderen sind, die – um im Bild zu bleiben – das Schwert schärfen. Die Lehrer machen falschen Unterricht, die Schüler sollten lieber quer in eine andere Schulart versetzt werden und das gesamte System unserer Bildung ist in anderen Ländern ohnehin viel besser.

Diese eigenartige Logik wollte ich durchbrechen, als ich mit ein paar Gleichgesinnten vor über 10 Jahren das Projekt 'Senioren-Lernen-Online' (SLO) gestartet habe. Spätestens, wenn die Menschen über 50 oder 60 oder so kommen, dachten wir, sollten sie doch das für sie wirklich Interessante und Wichtige lernen. Und dieses Lernen sollte dann auch ganz modern nur daheim am Computer und über das Internet mit anderen verbunden erfolgen: Online-Lernen – kurz eLearning – eben. In einer vergleichbaren Situation scheinen mir die Organisatoren von ununi.tv zu sein, deren Start über ein Crowdfunding ich gerade interessiert verfolge. Das Prinzip dort: Online, im Internet. Bildung von allen – für alle. Jede/r kann mitmachen und selbermachen. … Im Zentrum stehen interaktive Live-Videos.

Wenn ich also meine Erfahrungen mit Lernen und Lehren bei SLO mit einem größeren Kreis teilen möchte, sollte ich also künftig nicht mehr hier texten, sondern z.B. ein Hangout on Air für ununi.tv starten. Wenn sich daraus Denkanstöße für andere in der Erwachsenenbildung tätige Profis oder Laien ergeben, sicher eine gute Sache. Da ich mich in diesem Punkt noch in einem Veränderungsprozeß befinde, hier nur eine Skizze meiner ganz persönlichen Veränderungen der letzten Jahre:

  • Ich bin wohl wie viele Menschen in meinem Alter mit dem Prinzip 'Wenn alles schläft und einer spricht, das nennt man Unterricht' erwachsen und alt geworden. So richtig glücklich war ich damit als Lerner bzw. Teilnehmer an Tagungen udgl. nicht. Lehrend war ich sehr selten tätig; mein Wirken bei SLO war also zunächst Neuland.
  • Erstaunlich, dass ich genau dieses negative Prinzip dann auch beim eigenen Lehren umgesetzt habe. Für eine Stunde Online-Meeting etwa 20 Folien Powerpoint. Maximal 10 Wortmeldungen der Teilnehmer, zu denen ich diese auch noch gezielt ermuntern musste. Die restlichen 45 Minuten hatte ich das Wort. Erstaunlich eigentlich nicht, denn sowohl meine, als auch die Erwartungen der Teilnehmer, wurden voll erfüllt: Toll Horst! Wo kann ich deine schöne PowerPoint downloaden?
  • Spätestens als mir das alles zu langweilig wurde und ich über Veränderungen nachdachte, wurde mir klar, wie wenig Lernen bisher bei meinem sich kaum ändernden und sehr zufriedenen Teilnehmerkreis stattgefunden hatte. Meine 1. Idee für ein neues Projekt – Bastelt doch mal eine interessante Homepage, in der ihr euer Hobby oder eure Reisen darstellt! – führte nur zu Ergebnissen bei einigen der Teilnehmer. Daraus entstand die 2. Idee – Fertigt doch eine Team-Homepage und zeigt eure Heimat, Reiseziele oder Hobbies! – mit dann schon viel besseren Ergebnissen. Mit der 3. Idee – Produziert als Team eine Sendung bei 1000mikes – und der 4. Idee – Erstellt als Team ein eBook – war dann der Damm gebrochen: Neues erlernen kann auch im Alter noch Spaß machen!
  • Wenn wir uns heute treffen, z.B. zum Stammtisch MobileWeb, dann habe ich mich seit dem letzten Treffen mit einzelnen Teilnehmern online unterhalten, getwittert und geblogt. Für das eigentliche Treffen bereite ich mich nur mit ein paar Stichworten vor, die ich bei Evernote speichere. Keine PowerPoint, keine geplante Präsentation einer Anwendung von meinem Bildschirm! Auch für die Teilnehmer wird es immer selbstverständlicher, dass sie nur etwas lernen, wenn sie es wollen. Sie machen sich zwischen den Treffen Gedanken, sie sehen sich Videos an, sie diskutieren mit Einzelnen aus ihrer Gemeinschaft im Web und können dann in den gemeinsamen Online-Treffen gezielt fragen. Lehren und Lernen sind vielseitige Prozesse, mehr als Online-Videos erstellen und ansehen!

Soweit meine Erfahrungen. Doch, was finde ich davon bei einer künftigen ununi.tv wieder? Ich kann es nur erahnen und werde die Entwicklung – möglichst aktiv! – verfolgen. Zunächst aber wünsche ich viel Erfolg beim Crowdfunding – einer Sache, von der ich vor 2 Wochen noch nichts verstand. Lernen ist eben interessant und spannend.

 

Advertisements

Ein Gedanke zu „ununi.tv – Neues Lernen in Mitmachuni

  1. Pingback: Wer sind unsere Supporter? Und was machen die eigentlich? | ununi.TV

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s